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Auf d’r Schwäb’sche Eisebahne

Kaum ein anderes deutsches Volkslied ist so bekannt wie das Lied „Auf d’r Schwäb’sche Eisebahne“. Tausende Male wurde es an Stammtischen intoniert, hunderte Male wurde es kolportiert und mit neuen Texten unterlegt mit bis zu 27 Strophen. Zuletzt bei den Demonstrationen gegen „S21“.

"Trulla, trulla, trullalla
Trulla, trulla, trullalla
Stuegert, Ulm ond Biberach
Meckebeure, Durlesbach..."

lautet der Refrain, aber niemand weiß, wo Durlesbach liegt. Gibt es diese Station überhaupt?

Ja, jeder Waldseer weiß es, die liegt drunten im Schussentobel im Bad Waldseer Teilort Reute. Den Waldseer stört nicht, dass dieser winzige Weiler nur dank des Reims in das Lied gekommen ist und das zudem noch in der falschen Reihenfolge, denn Durlesbach liegt vor Meckenbeuren. Und so blasen die Reuter Durlesbach-Schalmeien weiterhin „ihr“ Lied voller Inbrunst, obwohl sie wissen könnten, dass der Bauer, der seine Geiß an den Zug anbindet, eigentlich den Oberschwaben persifliert.

Nach dem Bau der Südbahn 1850 von Ulm nach Friedrichshafen sangen Tübinger Corps-Studenten 1853 erstmals das Lied, das sie einer aus Basel stammenden Melodie unterlegten. 1990 verewigte der Bad Waldseer Künstler René Auer die Bahnhofsszene in vier Bronzefiguren. Das Bäuerlein, der widerspenstige Geißbock, eine Bäuerin und der Kondukteur stehen neben einer ausrangierten Kleinbahn als Eisenbahndenkmal. Deswegen lohnt sich die einstündige Wanderung von Bad Waldsee nach Durlesbach. Nachdem die Strecke 1911 zweigleisig ausgebaut wurde, wurde ein neuer Bahnhof erbaut, der aber nicht mehr bedient wird.

Bevor sie wieder zurück kehren, können sie sich im Bahnhofcafé stärken, nehmen vielleicht noch eine kleine Wanderung der Schussen entlang mit. Dann geht es beschwingter zurück mit dem Lied der Schwäbischen Eisenbahn auf den Lippen.