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Frauenbergkapelle

In dreifacher Hinsicht ist die Frauenbergkapelle ein aufregender Ort...

Die Kunstfreunde wissen, dass hier am Hauptaltar die Forschung über die Waldseer Zürn-Werkstätte begann.

Die Geschichtsfreunde wissen, dass diese Kirche ein Denkmal der Unabhängigkeit ist, das sich mutige Bürger selbst erbauten.

Die Beter wissen, dass seit altersher Gebete nirgends besser erhört werden als in der Kapelle "zum nahen Husli", wie sie ursprünglich genannt wurde. "1471 da war angefangen die Kapell."

Diese Nachricht überliefert uns ein altes Gemälde. Der Bau der Frauenbergkapelle war für die Waldseer ein Versuch, sich aus der Bevormundung durch das Kloster zu lösen. Sie wollten endlich eine eigene Kirche haben mit einem eigenen Pfarrer und einem eigenen Gemeindeleben. In der Stiftskirche residierten die gelehrten Augustinerchorherren. Das Verhältnis der Stadt zum reichen Kloster war gespannt. Wenigstens als Kirchengemeinde wollten die Waldseer eigenständig werden, das Joch der weltlichen Herrschaft war schwer genug zu ertragen. Aber noch ehe die Kirche fertig war, erhob das Kloster Anspruch darauf. Da sich die Bürger wehrten, verlangte das Kloster, daß der Truchsess Georg von Waldburg den Bau einstelle. Nun war aber die Kapelle, obwohl noch nicht fertig, schon zum bevorzugten Gebetsort der Waldseer geworden. Sie bauten ihr Kirchlein fertig. Ein Taufbecken zu bauen, wurde ihnen nicht erlaubt. Sakramente durften nur mit Zustimmung des Propstes erteilt werden und nur von einem Priester, der dem Propst untertan war. Das Kirchenopfer fiel dem Kloster zu. Die mit so viel Opfern und Hoffnungen erbaute Kapelle wurde zur Filiale des Stifts ernannt. Trotz dieser Demütigungen wurde die Frauenbergkapelle für die Waldseer ,"wahrhaft lebensnotwendig". Sie ließen nicht zu, dass "ihre Kirche" 1790 geschlossen wurde. Empörung und Proteste waren so stark, dass die Kapelle erhalten blieb.

 

Es fügt sich gut, dass diese geschichtsträchtige Kapelle die kostbarsten Heiligenfiguren der Stadt birgt. Niemand konnte 1621, als die Kapelle erweitert und die Altäre geschaffen wurden, ahnen, zu welchem Ruhm die Waldseer Bildhauerfamilie Zürn einst gelangen würde. Hans Zürn hatte sechs Bildhauersöhne, mit denen zusammen er den süddeutschen Raum wesentlich prägte. Am Hochaltar der Frauenbergkirche hat er mit den Söhnen Martin und Michael zusammengearbeitet. Von Kunstkennern wird die Figur des heiligen Sebastian besonders gerühmt. Das mit der Kirche verbundene Haus war ursprünglich die Kaplanei, jetzt dient es als Mesnerhaus. Weitere Zürnwerke birgt die Pfarrkirche in Bad Waldsee-Michelwinnaden. Gegenüber steht das "neue" Kaplaneihaus von 1617 (Neubau 1979). Auf dem Döchtbühl hat Waldsee seine Schulen errichtet. Als Schulstadt hat es einen weiten Einzugsbereich.