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Pola Polanski - Aquarelle

14.01.2018 - 25.02.2018 in der Kleinen Galerie

 

Über die Arbeiten von Annette Haug aus den Jahren 2012-2015

Bitter-süß soll meine Kunst daher kommen. Filmstills, Porträts, Mädchen, Frauen, Marilyn Monroe, die Skelette der Fiesta de los Muertos und Bambi – die Bezüge in Annette Haugs Kunst sind zahlreich und bilden einen eigenwilligen und zugleich schlüssigen Kosmos, gefärbt in Tusche, Schrift, Collage und Acryl. In diesen Medien bringt die Künstlerin ihre Motive zu Papier und bewegt Fragen nach Identität, Kindheit, Unschuld, Vergänglichkeit und Geschlechterrollen – im Besonderen die gesellschaftlichen Codes von Weiblichkeit. Eine Konstante ihres Werks ist die Überlagerung einer friedlich-angepassten Welt, die von düsterer Schwere, grotesken Fratzen und leeren Blicken durchzogen wird. Sie verweist auf die Doppelbödigkeit gesellschaftlicher Klischees indem sie die dunkle Seite des Menschen beleuchtet und entlarvt damit gesellschaftlich-heuchlerische Wunschbilder. Im Fokus von Annette Haugs künstlerischem Interesse steht die menschliche Gestalt. Die Künstlerin kratzt am Schein der Dinge, am Scheinen-Wollen des Menschen und befragt gesellschaftliche Rollengefüge und Anerkennungsmodelle. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit sind die zur Formel gewordenen Facetten der Weiblichkeit: die Unschuld des kindlichen Mädchens, der begehrenswerte Vamp, die heilige Mutter mit dem Kind, das bürgerliche Fräulein mit Frisur und Kostüm, das liebliche Dummerle. Die potentielle Harmonie von Annette Haugs Bildpersonal ist stets gebrochen und ist durchzogen von blutenden Farbtränen, Schusswunden, Vanitassymbolen wie dem Sensenmann, aber auch durch entstellte Gesichter, gezeichnet von Krankheit, Hoffnungslosigkeit und Hohn.

Annette Haugs Arbeiten liefern dem Betrachter damit beides: das gesellschaftliche Wunschbild und zugleich dessen Überzeichnung ins Groteske. Ihre Figuren werden Trugbilder, deren Innerlichkeit nach außen gekehrt zu sein scheint. Sie legen Nahe, dass Identität in der Brutalität enthüllt werden kann. Doch wie bei einem Vexierbild, kann der Eindruck des Betrachters kippen: sieht er das lieblich-süße Wunschbild, oder erkennt er dessen Entstellung? Ein unentscheidbares Wechselspiel. Annette Haug stellt mit ihren Arbeiten Fragen nach der menschlichen Identität und enthüllt makabere, im Alltag verdeckte Seiten des Selbst. Ihre Bilder sind dadurch nicht nur Spiegel menschlicher Wunschbilder, sondern auch Spiegel einer im Alltag verborgenen inneren Realität.