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Danielle Zimmermann - #kokett#weich#zuverlässig - ein multimediales Ausstellungskonzept

10.01. bis 21.02.2016 in der Kleinen Galerie

Das, was man sieht, ist nicht das, was man sieht. Respektive: das, was man da sieht, ist nicht das, was man da zu sehen meint. Man sieht: Bilder, virtuos in ihrem Zeichenstrich, delikat in der Coloristik, souverän in der Adaption von Vorgefundenem. Und völlig unvermutet ein jedes Mal im kombinatorischen Vermögen: im Witz, im Anspielungsreichtum, der wie selbstverständlich über die Ikonographie der Kunstgeschichte verfügt, sie in neue Zusammenhänge stellt, sie travestiert, Banales neben hohem Ton. Was außerordentlich erhellend ist in dem, was es einander assoziiert.

Und was es über unsere Sehgewohnheiten auszusagen imstande ist.? Was man zu sehen meint: den Glanz der Oberfläche, vertraute Piktogramme, Labels, Markennamen, die Insignien des fröhlichen Konsums, Mannequins, Pin Ups. All die wundervollen Verführungen der Werbewelt. Und zu nicht geringen Teilen auf dem Trägergrund der so benamsten Kunststofftüten aufgebracht. Nur ist das, was sich in dieser Glitzerwelt hier tummelt, wesentlich subtiler, als es den Anschein gibt. Wisch und Weg wischt nämlich, wen wohl, die Schöne. Nicht Weniges spielt nicht nur mit der Erotik, sondern ist dies explizit. Madame Butterfly offeriert eine prekäre Situation für Nase und Busen der holden Weiblichkeit. Der dunkle Ritter hält sich derweil mit Schatten bedeckt. Während Captain America einmal mehr in den Kampf mit den Roten verstrickt ist: Tomaten diesmal. Was man makellos vorgestellt zu bekommen gewohnt ist, zeigt hier Schärfen: die jugendliche süße Haut gibt sich pergamenten zerknittert, das blanke Antlitz eines Models lässt japanische Lettern durchschimmern, als wäre es überlackiert. Was es auch ist. Und den Fashion Victims scheint die eigene Hirnmasse in die Haare gekämmt. Das eine Form wie das andere. Überhaupt, die Haare, sie verselbstständigen sich als Wirbel, Turbulenz und malerisches Ereignis zunehmend und drängen auf manchen Bildern alles andere in den Hintergrund. Nichts auf der Fläche ist unwichtig, schon gar nicht eine opulente Lockenpracht. Sie erinnert daran, dass ein Bild, gleich, was es darstellt, zuerst einmal eine plane Fläche ist, nach bestimmten Gesetzen mit Farbe bedeckt.?Danielle bringt uns und unser Sehen einmal mehr gehörig durcheinander. Das ist auch gut so.

11.VI.2012, Gerhard van der Grinten über Danielle Zimmermann