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Das Projekt zur Attraktivierung des historischen Altstadtkerns der Stadt Bad Waldsee durch eine umfassende barrierefreie Gestaltung und Inwertsetzung des öffentlichen Raumes.

Die Attraktivierung soll hierbei sowohl den Besuchern der Altstadt als auch deren Bewohnern zugute kommen. Die Inwertsetzung umfasst die ganzheitliche Betrachtung und netzhafte Umgestaltung sämtlicher Fußgängerbereiche der Altstadt zu einem barrierefreien Netz, die Wiederentdeckung des ehemaligen Stadtgrabens um die Altstadt als einen grünen Gürtel um eine kompakte Stadt, die Herausarbeitung der historischen Altstadtsilhouette, die Herstellung eines Willkommensplatzes („Grabenmühlplatz“) innerhalb des grünen Gürtels mit hoher Aufenthaltsqualität und Marktfunktion sowie die parkartige Verbindung der Altstadt mit bestehenden Grünbereichen um Schloss und Schlosssee durch die Anlage neuer Wegeverbindungen.

Mit der Teilhabe für alle verfolgt die Stadt Bad Waldsee ein hohes gesellschaftliches Ziel, verbunden aber auch mit der Erkenntnis, dass eine hohe Attraktivität der historischen Altstadt für viele unterschiedliche Zielgruppen essenziell für deren Zukunftsfähigkeit ist. Wohnortnahe Freiraumqualität sowie Barrierefreiheit bis zur Haustür sind wichtige Faktoren für die Attraktivität des Wohnens in der Altstadt. Das Wohnen selbst stärkt wiederum die zentralen Versorgungsbereiche durch die Vergrößerung des fußläufigen Einzugsbereichs. Gerade in einer älter werdenden Gesellschaft sind kleinräumige, fußläufige, barrierefreie Verbindungen zwischen Versorgungs- und Wohnstandorten sowie die Verzahnung mit einem barrierefrei organisierten öffentlichen Nahverkehr von extrem hoher Bedeutung für die Teilhabe aller und das Funktionieren städtebaulicher Systeme.

Als Nationales Projekt des Städtebaus erhält Bad Waldsee für die Umsetzung eine Förderung von zwei Dritteln der Kosten, was einer Fördersumme von rund 4,46 Millionen Euro entspricht. Voraussetzung dafür ist, dass das Projekt bis im Jahr 2023 abgeschlossen wird.

Projektstruktur

Das Gesamtprojekt besteht aus folgenden drei Säulen

1. Netzhafte Verbesserung der Barrierefreiheit in der Altstadt

In großen Teilen fehlt eine taktile Führung, die Sehbehinderten die Möglichkeit gibt, sich innerhalb der Straßen und Gassen zu orientieren. Außerdem gibt es kleine, aber für die Betroffenen umso größere Barrieren im öffentlichen Raum, die durch die Ausarbeitung ins Bewusstsein der Nichtbetroffenen gerückt werden und bei zukünftigen Aufgaben beachtet werden sollten. Der Spagat zwischen den gestalterischen Anforderungen im historischen Umfeld einerseits und den funktionalen Anforderungen an die Barrierefreiheit wird möglich durch den Einbau einer großformatigen Belagsspur, die unter Berücksichtigung der bestehenden Nutzungen einen Weg durch die Altstadt schafft.

2. Umgestaltung der Bleichestraße mit barrierefreien Querungsmöglichkeiten und barrierefreien Bushaltestellen

Die an die Altstadt angrenzende Bleichestraße soll um- und zurückgebaut werden, um ihre Trennwirkung zu verringern und eine sichere sowie barrierefreie Querbarkeit und ÖPNV-Schnittstelle zu ermöglichen. Durch die neuen, barrierefreien Querungsmöglichkeiten werden die Fußgängerwege gezielt in die Altstadt geführt. Der Rückbau bestehender Busbuchten zugunsten barrierefreier Zu- und Ausstiegsmöglichkeiten an der Bleichestraße erlauben eine barrierefreie Erreichbarkeit der Altstadt und des neuen Marktstandortes auf dem Grabenmühlplatz.

3. Neubau Grabenmühlplatz als „Tor zur Altstadt“ und barrierefrei erreichbarer Marktstandort

Der Grabenmühlplatz ist aufgespannt zwischen den beiden wichtigsten Fußgängerachsen „Dreikönigsgasse“ und „Grabenmühle“, welche die Altstadt mit dem Erholungsraum Schloss / Schlosssee sowie mit dem Parkplatz Bleiche und der Bushaltstelle „Bleiche“ verbinden. Er ist zentraler Auftaktpunkt für alle, die die Altstadt Bad Waldsee mit Auto oder Bus erreichen. Grundlegende Planungsidee war die Revitalisierung des ehem. Stadtgrabenareals durch Schaffung von neuen Wegeverbindungen und Aufenthaltsqualitäten. Auf dem neuen Grabenmühlplatz sollen die Wochen- und Jahresmärkte abgehalten werden, zugleich befinden sich mehrere Ruheinseln auf dem Platz, die zum Verweilen und Treffen einladen. Die beschatteten Ruheinseln bieten außerdem wichtige Ausruh-Punkte für einen schwächeren Personenkreis im Sinne der „Altstadt für alle“. Um ein Miteinander Aller im öffentlichen Raum und damit aktive Teilhabe zu ermöglichen, werden sämtliche Ruhepunkte und Aufenthaltsbereiche barrierefrei und seniorengerecht gestaltet.

Rahmenterminplan & Bauphasen

Für die Durchführung des Projekts „Altstadt für alle“ ist der Zeitraum vom 01.07.2019 bis 31.12.2023 vorgesehen.

2019

Planung und Betroffenenbeteiligung Barrierefreiheit

2020

Bau Barrierefreiheit Altstadt Abschnitt I

2021

Bau Barrierefreiheit Altstadt Abschnitt II
Planung Grabenmühlplatz / Bleichestraße

2022

Rückbau/barrierefreier Umbau Bleichestraße

2023

Bau Grabenmühlplatz

In den Jahren 2019–2021 steht die netzhafte Verbesserung der Barrierefreiheit in der Altstadt im Fokus. Geplant ist eine abschnittsweise Umgestaltung der Oberflächen, wobei im ersten Abschnitt ab dem 2. Quartal 2020 punktuelle Maßnahmen vorgesehen sind und im Jahr 2021 der Abschnitt II mit den flächenhaften Umgestaltungen in der
Ravensburger Straße, Hauptstraße und Wurzacher Straße sowie im Spitalhof und Hochstatt geplant ist.

Der Rückbau und die barrierefreie Umgestaltung der Bleichestraße mit barrierefreien Querungshilfen und barrierefreien Bushaltemöglichkeiten ist für das Jahr 2022 vorgesehen und wird planerisch und zeitlich mit den Baumaßnahmen auf dem Bleiche-Parkplatz koordiniert.

Abgeschlossen wird das Projekt „Altstadt für alle“ mit dem Neubau des Grabenmühlplatzes als „Tor zur Altstadt“ und barrierefrei erreichbaren Marktstandort im Jahr 2023.