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Aufstände gegen die Herrschaft

Als aber Herzog Friedrich von Österreich in Acht und Bann getan wurde, weil er bei dem Konzil zu Konstanz den "falschen" Papst unterstützt hatte, war Johann von Waldburg der erste, der dem Herzog einen Fehdebrief schickte. Die Herrschaft in Waldsee wurde unerträglich, so dass die Bürger 1415 einen zweiten Aufstand wagten.

Der Truchsess ging mit seinen "Freunden und Gesellen" mit Waffengewalt gegen die Stadt vor. Am Ende stand ein Friedensdiktat, das als "der böse Brief" in die Geschichte einging. Nun lag alle "Gewaltsame mit Geboten" beim Truchsess. Die Stadt musste zahlen und Dienste leisten. Sollte sie eine der Forderungen nicht einhalten, "so sollen sie sämtlich ehrlos, treulos, meineidig und rechtlos heißen und sein, und nichts, weder Kaiser noch Papst soll sie schützen". Zwölf Familien entflohen dem Joch und suchten in Ravensburg Aufnahme. Aber WaIdburg erreichte, dass die Auswanderer wieder nach WaIdsee zurückkehren mussten.

1424 starb der gestrenge Herr. Auch unter seinem Sohn, Georg I., kam es in Waldsee zu Unruhen. Es wird von Pfeilen berichtet, denen der Truchsess knapp entkam. In jener Zeit, 1426, entstand in Waldsee das kostbare Rathaus. Zu groß eigentlich und zu schön für eine 500-Seelen-Gemeinde. Aber nach all den Demütigungen brauchte die Stadt ein Zeichen der Stärke. "Grad mit Fleiß", sagen die Oberschwaben, wenn es gilt, sich nicht unterkriegen zu lassen. So entstand in Zeiten der Not eines der schönsten gotischen Rathäuser. Die Kraftfülle der Waldburgischen Truchsessen ist uns überliefert in einem Grabmal von hoher Kunst. In der linken Seitenkapelle der Stiftskirche ist das Bronze-Relief eines Ritters eingelassen. Die Gestalt ist von den Zehen bis zum Lockenhaar mit Leben erfüllt, Gesichtsausdruck und Geste der Hände von beschwörender Ausdruckskraft.

Text: Michael Barczyk