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1. Jugendenergietag 2012

30.05.2012

Ein riesiges Feld mit 20.079 Photovoltaikmodulen, laute Generatoren, Gülle-Geruch, ein über 1000 Grad heißer Holzkessel und die Kraft des Wassers – was erneuerbare Energien können und wie sie funktionieren, davon haben sich 100 Schüler aus Bad Waldsee beim 1. Jugendenergietag vergangener Woche ein eindrucksvolles Bild gemacht.

„Das ist faszinierend, das so zu sehen, zu hören und zu riechen. Ich habe heute wirklich sehr viel gelernt und bin erstaunt, was bereits möglich ist“, sagte eine Gymnasiastin am Ende der Tagesfahrt begeistert. Insgesamt beteiligten sich zwei Klassen der Stufe neun der Eugen-Bolz-Werkrealschule und zwei Klassen der Stufe zehn des Städtischen Gymnasiums am Jugendenergietag, begleitet von ihren Klassenlehrern. Noch bevor die Fahrt von Bad Waldsee aus startete, begrüßten Bürgermeister Roland Weinschenk sowie der Geschäftsführer der Energieagentur Ravensburg, Walter Göppel, die Schüler in der Mensa und wünschten gute Eindrücke und einen interessanten Tag. Bürgermeister Weinschenk ging in seiner Begrüßung darauf ein, dass Bad Waldsee Energiestadt ist. Walter Göppel erklärte, dass im Bereich der erneuerbaren Energie große Chancen für die Zukunft der Schüler liegen und eine Ausbildung beziehungsweise ein Studium im Energiebereich sicherlich große Möglichkeiten bieten würden. Der Waldseer Jugendenergietag sei in der Region der erste derartige Tag, der von einer Stadt initiiert wurde.

2800 Tonnen CO2 eingespart

Anschließend ging es mit zwei Bussen nach Leutkirch zum zweitgrößten Solarpark Baden-Württembergs, auf einem ehemaligen Kiesabbaugebiet direkt an der A 96 gelegen. Auf einer Fläche von zehn Hektar (16 Fußballfelder) erzeugen hier 20.079 Module jährlich rund fünf Millionen Kilowattstunden Strom, was dem Jahresverbrauch von 1.500 Haushalten entspricht. Die CO2-Einsparung liegt bei jährlich 2.800 Tonnen. Beteiligt an dem Projekt sind die Stadt Leutkirch, die EnBW, der Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) und die Energiegenossenschaft Leutkirch. Ein EnBWMitarbeiter informierte die Schüler, zeigte Wechselrichter und die Trafostation. Zudem beantwortete er die Fragen der Schüler, wie zum Beispiel die Frage, wie viele Windräder man benötige, um die Leistung dieses Solarparks zu erreichen. „Nur ein einziges“, war die Antwort des Fachmanns, die für große Augen sorgte.

Weiter ging die Fahrt zum neuen Bürgerbahnhof mit dem Informationszentrum „Nachhaltige Stadt Leutkirch“. Hier erwartete Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle die 100 Schüler aus Bad Waldsee und informierte persönlich über den Leutkircher Weg bei der Energiewende, die zahlreichen Aktivitäten in der Stadt, die breite Bürgerbeteiligung und über das Zustandekommen des Energiebündnisses sowie das Ergebnis: Nachhaltige Stadt Leutkirch. „Die Energiewende ist nur machbar, wenn wir die Bürger dafür gewinnen“, sagte er. Dazu wurde auch ein Film gezeigt, der die Aktionen der Stadt und der Bürger verdeutlichte. Zum Abschluss wurde

noch ein Film zur Entstehung des Offshore-Park Baltic 1 in der Ostsee vorgeführt.

2,9 Millionen Liter Öl gespart

Auf 2.879.000 Liter Heizöl kann durch die Isnyer Biogasanlage im Jahr verzichtet werden! Die Biogasanlage wurde im Jahr 2006 durch die Initiative von fünf Landwirten und einem Lohnunternehmer in Betrieb genommen. Die elektrische Leistung liegt bei 2.174 kW, die Stromerzeugung im Jahr bei 16.030.000 kWh und die Wärmeerzeugung bei 12.760.000 kWh. Heute „füttern“ 90 Lieferanten aus der Umgebung die Biogasanlage mit Gülle (36 %), Maissilage (30 %), Grassilage (24 %) sowie mit Landschaftspflegeholz (10 %). Die Anlage hat einen Wirkungsgrad von 88 %. Um diesen hohen Wirkungsgrad zu erreichen, wird das Biogas durch eine Biogasleitung zu drei Satelliten-Blockheizkraftwerken (BHKW) direkt zu den Wärmeabnehmern (Waldburg-Zeil-Kliniken, Neutrauchburg und Ev. Heimstiftung) geschickt und erst dort in den dortigen BHKW in Strom und Wärme umgewandelt. Die überschüssige Wärme im Sommer wird zur Trocknung von Hackschnitzeln verwendet. In Isny wurden die Schüler von Bürgermeister Rainer Magenreuter sowie von der städtischen Mitarbeiterin Helen Maus begrüßt. Beide freuten sich sehr, dass so viele interessierte Jugendliche gekommen waren. Neben den theoretischen Informationen wurde auch ein Rundgang gemacht, bei dem die Biogasanlage im wahrsten Sinne des Wortes mit allen Sinnen erkundet wurde. Die Führung beinhaltete die Anlieferung sowie die Entstehung des Biogases bis hin zum Endprodukt, dem Dünger, der wieder auf den Feldern ausgebracht wird. Ergebnis des Isny-Besuches ist auch ein ausgemachter Austausch der Energie-AG Isny mit der Umwelt-AG des Gymnasiums.

Mit der Kraft des Wassers

Die nächste Station des Energietages war das Wasserkraftwerk in Wangen. Fast 60 Grad Hitze und ein ohrenbetäubender Lärm herrschen im Technikraum des Wasserkraftwerks. Hierfür verantwortlich ist eine Kaplan-Turbine aus dem Jahr 1948, die immer noch ihren Dienst erfüllt. Die Modernisierung ist für das Jahr 2013 vorgesehen. Die Leistung der Turbine beträgt 250 kW. Das Nutzgefälle im Krafthaus beträgt 9,8 Meter. Mit dem erzeugten Strom können etwa 250 bis 450 Haushalte versorgt werden. Betrieben wird die Wasserkraftanlage vom Stadtwerk Wangen. Das Wasser der Argen fließt im Triebwerkskanal, der 1859 für die Baumwollspinnerei Wangen (später ERBA) gebaut wurde, zur Turbine. Die Länge des Kanals beträgt 2,6 Kilometer. Das Argenwehr wurde im Jahr 1959 umgebaut.

Zweiter Halt in Wangen und zugleich die letzte Station des Energietages war die Nahwärme Wangen mit der Biomasse-Heizzentrale. Sie wird zu 90 Prozent mit Hackschnitzeln betrieben, 10 Prozent wird mit Öl geheizt (nur bei Spitzenlast). Zur Heizzentrale gehört ein Pufferspeicher mit 27 m3, die Netzlänge ist 1.047 Meter. Auf dieser Strecke sind zehn öffentliche Gebäude (u.a. eine Schule) angeschlossen. Diplom-Ingenieur Urs Geuppert führte durch die Zentrale und erhielt

von den Schülern zum Dank für die vielen Informationen einen begeisterten Applaus.

Nach diesem energiereichen Tag ging es zurück nach Bad Waldsee, in die Mensa. Projektleiter Bernhard Schultes (Netzwerk Oberschwaben) ließ hier den Tag Revue passieren und bedankte sich bei Anton Sproll von der Bad Waldseer Bank für die Übernahme der Buskosten, des Mittagessens sowie die Quiz-Preisgelder für die Klassen (je 100 €). „Dieser Energietag passt zu unserer Bank. Er ist mir sehr am Herzen gelegen“, sagte Sproll.

Brigitte Göppel