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Das Blutbad von 1530

Ein Blutbad besonderer Art fand am Weißen Sonntag 1530 auf dem Kirchplatz zu Waldsee statt. Als der Propst des Chorherrnstifts einen reitenden Boten nach Stuttgart schickte um den Bauernjörg zu unterrichten, dass seine Waldseer eifrig den Lehren der Schweizer Wiedertäufer lauschten, wurden sofort an die 40 Reiter nach Waldsee geschickt. Der Pfandherr selbst folgte mit 700 Mann zu Fuß. Aber er kam zu spät. Vor der Kirche lagen seine toten Reiter.

Die Wiedertäufer waren die am meisten gefürchteten Reformatoren, weil sie lehrten, dass Zins geben unrecht sei und "dass eine Obrigkeit seyn unchristlich sey". Die Schweizer wurden als Anführer mit dem Schwert hingerichtet, ihre Frauen und Kinder im See ertränkt. Ein Jahr danach ist der Bauernjörg mit 43 Jahren als Statthalter in Stuttgart gestorben. 300 Jahre lang kämpfte Waldsee darum wieder unmittelbar zu Österreich zu gehören.

Erst 1680 gelang es Bürgermeister Molitor für Waldsee und die vier anderen "Vorderösterreichischen Donaustädte" die Befreiung von der Waldburgischen Pfandherrschaft zu erreichen. 26232 Gulden Lösegeld mussten die Städte aufbringen. Noch waren die Wunden, die Krieg und Pest geschlagen hatten, nicht verheilt, schon brachten die Soldatentruppen des Türkenkriegs und des Erbfolgekriegs neue, schwere Belastungen.

Text: Michael Barczyk