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Energieexkursion 2017

Ein energiereiches und strammes Programm hatte das Bad Waldseer Energieteam bei seiner Exkursion am 28. September zu absolvieren. Stationen waren die Firma Puren in Überlingen sowie die Bodensee-Wasserversorgung auf dem Sipplinger Berg.

Die Firma Puren in Überlingen stellt leistungsfähige Dämmstoffe her. Sie besteht seit nahezu 50 Jahren und zählt zu den Pionieren der Polyurethan-Hartschaum-Technologie (PU). Das mittelständische Unternehmen zählt rund 300 Mitarbeiter und ist international tätig.
Puren-Geschäftsführer Dr. Andreas Huther empfing die Bad Waldseer Delegation und nahm sich bei einem Sachvortrag sowie einer Führung über das Werksgelände vier Stunden Zeit für seine Gäste. Schon immer hätten im Unternehmen die Themen Umweltschutz, Energieeinsparung und Ressourcenschonung eine große Rolle gespielt, erklärte er. Das Produktprogramm umfasse unter anderem Steildach-, Flachdach-, und Gefälledach-Dämmsysteme, Fußboden- und Fassadendämmung, aber auch Spezialprodukte für Parkdecks, zum Bautenschutz oder zur Dachsanierung.

Die PU-Dämmstoffe würden oftmals auch für kommunale Stätten wie etwa Mehrzweckhallen, Schulen und Kindergärten eingesetzt, da sie sehr gute Brandschutzeigenschaften hätten. Sie tropften nämlich im Brandfall nicht brennend ab. Zudem bescheinige das „pure life“-Siegel als Umwelt-Qualitätszeichen, dass diese die sehr strengen stofflichen Kriterien und Emissionsanforderungen an die Innenraumluftqualität erfüllt würden und gesundheitlich unbedenklich seien. Deshalb würden diese Produkte auch in der Medizintechnik eingesetzt.

Im Laufe der Jahre konnte sich Puren über zahlreiche Würdigungen freuen. So überreichte beispielsweise 1997 die damalige Bundesumweltministerin und heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel den „Recycling-Award“. 1995 hatte das Unternehmen den „Energie-Oscar“ erhalten.
Darüber hinaus stellt Puren auch Innenverkleidungen für Fahrzeuge, Wohnmobile, Straßenbahnen, Eisenbahnen, Lastwagen oder Kühlschränke her. Dr. Andreas Huther präsentierte die gängigsten Varianten und Möglichkeiten. Die Energieteam-Mitglieder durften dabei auch die verschiedensten Probe-Produkte in die Hand nehmen und gründlich inspizieren.
Hochspannende Einblicke erhielt das Energieteam beim anschließenden Rundgang durch das Werksgelände und durfte bei der Herstellung der PU-Produkte zusehen.
Im Anschluss wurde ein Film über die Wiederaufbereitung der Rohstoffe im Werk Obermarchtal gezeigt und Dr. Andreas Huther informierte über die Baugenossenschaft Überlingen sowie die Wohnraumentwicklung in Überlingen. Bürgermeister Roland Weinschenk bedankte sich herzlich bei Dr. Andreas Huther für die Zeit, die er sich für die Bad Waldseer genommen hatte, und überreichte einen Geschenkkorb mit regionalen und fair gehandelten Produkten sowie einer abschaltbaren Steckdosenleiste und einem Strommessgerät.

Eine weitere Sonderführung, diesmal mit Einblicken hinter die Kulissen des Wasserwerks der Bodensee-Wasserversorgung auf dem Sipplinger Berg, hatte Walter Göppel von der Energieagentur Ravensburg für das Bad Waldseer Energieteam organisiert. Betriebsleiter David Stüble begrüßte im Besprechungsraum die Gäste und führte sie in das Thema Bodensee-Wasserversorgung anhand einer informativen und spannenden Präsentation ein.
Seit 1958 versorge die Bodensee-Wasserversorgung zuverlässig ihre 183 Mitglieder (149 Kommunen und 34 Wasserversorgungszweckverbände) rund um die Uhr mit Trinkwasser bester Qualität aus dem Bodensee. Etwa vier Millionen Baden-Württemberger kämen so in den Genuss von frischem und reinem Trinkwasser. Das Rohrleitungsnetz sei stolze 1700 Kilometer lang. Im vergangenen Jahr habe die Bodensee-Wasserversorgung 130 Millionen Kubikmeter Wasser abgegeben.

Die Förderung des Wassers aus dem Bodensee und 310 Meter hinauf ins Wasserwerk sei sehr energieaufwendig und damit sehr teuer. Für die Bodensee-Wasserversorgung bedeute das jeden Monat mehr als eine Million Euro Energiekosten. Im Jahr 2016 habe sie 18 Millionen Euro für den Strom bezahlt. Der Energiebedarf liege bei 165 Gigawattstunden.
Um die Energiekosten zu senken, habe man seit 1990 zahlreiche Maßnahmen ergriffen. So wurde bis heute der Stromverbrauch von damals 1,2 auf 1,0 Kilowattstunden pro Kubikmeter gefördertes Trinkwasser reduziert. Zehn bis 14 Prozent des Strombedarfs könne über eigene Wasserkraftturbinen selber erzeugt werden, erklärte Stüble. Großer Wermutstropfen sei hier die EEG-Umlage, die der Zweckverband nicht zurückerstattet bekomme und somit die regenerative Erzeugung des eigenen Stroms unrentabel mache. Würden die Gesetze geändert, könnten die Potenziale bei der Wasserversorgung genutzt werden. David Stüble geht davon aus, dass hierdurch weitere zehn bis 14 Prozent Potenziale genutzt werden könnten. Der Wasserzweckverband betreibt derzeit 64 Turbinen-Anlagen entlang der Leitungsstrecke.
Auch im Gebäudebereich wurden in den vergangenen Jahren Maßnahmen zur Energieeinsparung vorgenommen. So konnte der Heizenergiebedarf zwischen 2013 und 2016 um mehr als die Hälte reduziert werden.
Wie denn bei Stromausfall gehandelt werde, wurde aus den Reihen des Energieteams gefragt. Hierzu seien Notstrom-Aggregate, die mit Heizöl betrieben werden, vorhanden.

Weiter wurde gefragt, ob sich der Klimawandel auch im Bodensee bemerkbar mache. David Stüble bejahte diese Frage; ihm bereite das große Sorge. Mittlerweile gebe es bereits neue Krebssorten und andere Tiere im Bodensee, die bisher dort nicht leben konnten. In den vergangenen Jahren habe sich die Temperatur des Bodenseewassers um durchschnittlich ein Grad erhöht. Auch sei die Temperatur des Wassers an der Oberfläche schon mehrere Jahre nicht mehr auf die magische Zahl von vier Grad gesunken. Denn nur dann „falle“ das kalte Wasser nach unten an den Grund und bringe dort den dringend benötigten Sauerstoff und die komplette Durchmischung des Wassers zustande.
Im Anschluss an die Fragerunde ging es zum eigentlichen Wasserwerk und David Stüble erklärte das Quellbecken, wo das Wasser im Werk ankommt sowie die anschließende Aufbereitung und Reinigung, die Hochbehälter, die Filterhalle, den Rohrkeller und die Behälterkammer. Ständig werde in die Technik und Gebäude investiert, um die Qualität und Menge des Trinkwassers für die fast vier Millionen Menschen zu garantieren. Am Ende der Führung stieß David Stüble mit einem Glas frischem Bodenseewassers an. Auch er erhielt von Bürgermeister Roland Weinschenk zum Dank einen Bad Waldseer Geschenkkorb.

Bildunterschrift: nteressante Fakten zur Bodensee-Fernwasserversorgung erfuhren die Mitglieder des Bad Waldseer Energieteams von Betriebsleiter David Stüble (Vierter von links). Hier ist die Gruppe am Ende der Führung und probiert das Bodenseewasser aus dem Brunnen.

Text und Fotos: Brigitte Göppel

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