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Energieexkursion 2013

BAD WALDSEE (bg) – Wie wirken die neuen Windräder mit einer Nabenhöhe von annähernd 140 Metern in Wildpoldsried? Wie wurde das neue Stadtwerk Wangen aufgebaut und welche Organisationsform hat es? Wie wurde dort auch die Nahwärme aufgebaut und welche Hürden mussten dabei genommen werden? Wie setzt die Leutkircher Brauerei Härle ökologische Grundsätze um?

Solche und noch viele weitere Fragen wurden bei der Exkursion des Bad Waldseer Energieteams vergangenen Freitag beantwortet. Ziele waren die Stadt Wangen mit der „Rad-Box“ und den dazugehörigen öffentlichen Toiletten am kostenlosen Parkplatz P14, die Geschichte des Aufbaus und Umsetzung der Stadtwerke Wangen mit Wasserkraft und Hackschnitzelnahwärmenetz, die neuen Windkraftanlagen in Wildpoldsried und die deutschlandweit erste Brauerei die 100 Prozent klimaneutral braut und vertreibt, in Leutkirch.

Wangen: Hier standen gleich vier Stationen auf dem Programm. Wangen hat an seinem kostenlosen Parkplatz P14 eine Rad-Box zum sicheren Verwahren von bis zu 20 Fahrrädern aufgestellt. Belinda Unger, Leiterin des Gästeamts stellte das Projekt, vor. Eigentlich sollte die Rad-Box nicht nur zum sicheren Aufbewahren von Fahrrädern dienen, hier sollten ihrer Meinung nach auch E-Bike-Ladestationen integriert werden. Leider habe man dies noch nicht realisieren können. Sie sei aber nach wie vor der Meinung, dass es wichtig sei und lasse deshalb nicht locker. Auch eine Photovoltaik-Anlage solle auf das Dach. Mit zum Gesamtprojekt gehören hier auch öffentliche Toiletten für den Parkplatz. Dieser werde von Wangenern sowie Touristen rege genutzt. Anschließend ging es zum Wangener Rathaus, wo das Team von Oberbürgermeister Michael Lang (siehe Bild oben beim Überreichen einer Bad Waldseer Energiespartasche) willkommen geheißen wurde. Er stellte die Stadt sowie die Gründung des Eigenbetriebs Stadtwerke vor. Diese erzeugen mit Wasserkraft Energie und betreiben eine Nahwärmeversorgung mit einem Holzhackschnitzel-Heizwerk (Bild unten). Zusammen mit den städtischen Gebäuden werden nun zehn Liegenschaften zentral mit Nahwärme versorgt. Eine Erweiterungsoption für die Zukunft ist vorhanden. Die Idee des zentralen Biomasseheizwerks entstand im Zuge der Sanierung und Erweiterung des Rupert-Ness-Gymnasiums. Damit sich die Teammitglieder ein besseres Bild von der Technik und dem Zusammenspiel des Nahwärmenetzes machen konnten, führte Urs Geuppert von den Stadtwerken Wangen die interessierte Gruppe zu den Kanalsanierungsarbeiten, zur Wasserkraftanlage sowie zum Heizwerk und erklärte alle wichtigen Maßnahmen, aber auch die zu überwindenden Hürden.

Wildpoldsried: Die Oberallgäuer Gemeinde hat eindrucksvoll bewiesen, dass es möglich ist, die Energieversorgung innerhalb von nur zehn Jahren weitgehend auf heimische erneuerbare Energien umzustellen. Die rund 2500 Einwohner zählende Gemeinde engagiert sich unter großer Bürgerbeteiligung für die Erzeugung regenerativer Energie sowie für mehr Energieeffi zienz. Es wird jetzt schon das Dreifache des Strombedarfs der Gesamtgemeinde durch sieben Windkraft-, vier Biogas-, drei Wasserkraft- und rund 100 Photovoltaikanlagen erzeugt. Ein Biomasseheizwerk deckt den kompletten Wärmebedarf der kommunalen Gebäude. Zudem haben hier noch viele private Gebäude angeschlossen. Ziel ist, dass die Gemeinde bis zum Jahr 2020 rechnerisch den gesamten Wärmebedarf des Dorfes regenerativ decken kann. Bürgermeister Arno Zengerle begrüßte die Gäste aus Bad Waldsee sowie weitere Besuchergruppen, direkt beim Wildpoldsrieder Windpark und erklärte, wie es die Gemeinde geschafft hat, dass die Bürger hinter der Windkraft stehen. Mittlerweile stehen sieben Anlagen auf Wildpoldsrieder Flur. Bereits im April 2000 gingen die ersten zwei in Betrieb, zwei weitere wurden im Winter 2001/2002 aufgestellt. Im Juni 2008 wurde die fünfte Windkraftanlage offiziell eingeweiht, und seit Oktober 2012 sind weitere zwei (zwei Mal 2,3 Megawatt, 135 Meter Nabenhöhe) in Betrieb. Die ersten fünf Anlagen – alle geplant durch Initiator Wendelin Einsiedler – erzeugen im Jahr etwa 12.000.000 Kilowattstunden Strom. Nochmals die gleiche Menge wird seit Oktober 2012 durch die beiden neuen Anlagen erwartet. Und gerade wegen dieser beiden 139-Meter-Nabenhöhe-Windräder (Bild rechts) besuchte das Energieteam nun zum zweiten Mal die Allgäuer Gemeinde. Im Jahr zuvor standen diese noch nicht, damals informierte sich das Team zum Nahwärmeprojekt. Die Teammitglieder zeigten sich überrascht, dass die etwa 50 Meter mehr an Nabenhöhe optisch nicht so sehr ins Gewicht fallen wie angenommen (gegenüber den benachbarten Anlagen mit rund 90 Metern Nabenhöhe).

Leutkirch: Konsequent zeigt sich die Leutkircher Traditionsbrauerei Härle in Sachen Umweltschutz, Regionalität und Ökologie. Konsequent beim Einsatz von Energie: Seit dem 1. Januar 2009 werden in der Brauerei ausschließlich erneuerbare Energieträger eingesetzt – es werden für die Wärmeerzeugung Holzhackschnitzel aus der engeren Region verwendet und der Strom stammt aus Wasserkraft, Wind, Biomasse und der Kraft der Sonne. Mit einer Fotovoltaikanlage wird Eigenstrom produziert und die Hackschnitzelwärme reicht nicht nur für die energieintensive Herstellung von Bier, sondern auch noch für benachbarte Gebäude. Insgesamt werden sechs Gebäude mit einem kleinen Nahwärmenetz versorgt. „Das spart 120.000 Liter Heizöl ein“, sagt Inhaber Gottfried Härle. Konsequent beim Fuhrpark: Seit April 1998 werden die Lastkraftwagen und die Pkw mit Biodiesel betankt. Konsequent beim Verbrauch von Wasser: Mit Hilfe zahlreicher Investitionen ist es gelungen, den betrieblichen Frischwasserverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren. Konsequent auch im Bekenntnis zur Region – und damit zu kurzen Transportwegen: Die gesamte Braugerste stammt ausschließlich aus Oberschwaben, und die Biere gibt’s vor allem im Allgäu und in Oberschwaben. Die Handelswaren werden fast ausschließlich von regionalen Lieferanten bezogen. Auch dies spart Treibstoff. Und dies erspart der Umwelt eine Menge an schädlichen Emissionen. Damit ist Härle die erste Brauerei in Deutschland, die ihre Biere zu 100 Prozent klimaneutral herstellt und vertreibt.

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