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Die Verleihung des Stadtrechts

Als die Habsburger den Kaiserthron bestiegen, zog es die Herren von Waldsee nach Österreich. Das Abschiedsgeschenk für die Waldseer war nobel: 1298 wurde ihnen das Stadtrecht verliehen. In der königlichen Urkunde heißt es, Waldsee solle sich der gleichen Freiheit und Rechte erfreuen wie die benachbarte Stadt Ravensburg. Eilends wurde eine Abordnung von Waldseern nach Ravensburg geschickt, um von denen die Stadtrechte zu erlernen.

Heimgekehrt, schufen sich die Waldseer ein Gesetzbuch mit 176 Paragraphen. Bis in die Einzelheiten des Brotbackens, Weinschenkens, Hochzeitens, Kindtaufens, Sturmläutens wurde alles bedacht.

Freie Reichsstadt war Waldsee nicht geworden. Es blieb weiter im Besitz der Herren von WaIdsee, die von Österreich aus ein sanftes Regiment führten. Die Stadt konnte sich mit ihren Bauern, Fischern, Leinewebern, Kornhändlern kräftig entwickeln. Das blieb auch so, als die Herren von Waldsee ihre Stadt um 11000 Mark "Iötiges Silber" an die Herzöge von Österreich verkauften. Gefährlich wurde es erst, als die Habsburger die Stadt an kleine Herren verpfändeten. Da legten die Waldseer Bürger zusammen und brachten die ganze Pfandsumme auf, um sich loszukaufen.

Nichts fürchteten sie mehr als die Fuchtel eines kleinen Territorialherren. Die erkaufte Freiheit währte nicht lange. Obwohl die Stadt die vertragliche Zusicherung hatte, nie mehr verpfändet zu werden, wurde sie 1386 als Pfand an den Truchsess Johann von Waldburg gegeben.

Text: Michael Barczyk