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1386 - Verpfändung der Stadt an Johann von Waldburg

Das Schloss des neuen Herrn stand unmittelbar vor der Stadtmauer. Er nahm die Zügel fest in die Hand. Zu fest für die Waldseer, die an die lange österreichische Leine gewöhnt waren. Als die Bevormundung zu hart wurde, drangen die Waldseer Bürger in das Schloss ein, griffen den Truchsessen an und steckten einige seiner Ökonomiegebäude in Brand. Die Grausamkeit der Strafe, die darauf folgte, ist uns überliefert in den sogenannten "Auflaufbriefen", in denen der Truchsess sechs der Rädelsführer zum Tode verurteilte. Weitere sechs wurden enteignet, "verrufen und verbannt" und drei der Bürger hatten auf ewig die Stadt zu meiden. D

Dass es sich bei den Verurteilten um ehrbare Leute handelte, geht aus der Berufsbezeichnung hervor: Messerschmied, Müller, Schlosser, Aichmann, Krämer, Schuhmacher. Aber nicht genug damit. Dieser Auflaufbrief (1392) gebietet, dass der Bürgermeister, der Rat und die ganze Gemeinde jedes Jahr dem Truchsessen Treue schwören. Mit welchen Methoden dieser Treueschwur erreicht werden sollte, zeigt uns ein Passus, der die Bürger untereinander zum Verrat auffordert. Es heißt da: "Wenn einer in der Stadt diesen Eid nicht leistet, und ein anderer dies weiß, so soll er ihn dem Truchsessen anzeigen, sonst sollen beide dem Truchsessen an Leib und Gut ohne alle Gnade verfallen sein."

Die Waldseer klammerten sich an das österreichische Versprechen die Waldburgherrschaft würde mit dem Tod des Truchsessen Johann zu Ende gehen. Aber während die Habsburger durch ihre Feldzüge immer ärmer wurden, wurde Johann von Waldburg durch seine vier Heiraten immer reicher. So kam 1406 ein neuer Handel zustande: Die Städte Waldsee, Saulgau, Mengen, Riedlingen, Munderkingen wurden für 30445 Gulden endgültig an die Waldburger verpfändet. Noch gab es im Hintergrund die Habsburger, bei denen sich Waldsee über die harte Pfandherrschaft beschwerte.
Text: Michael Barczyk