Project Description

Katja Gehrung – Fotografie

„Der aktuellen Bilderflut banaler Selfies begegnet Katja Gehrung mit einer bedingungslos inszenierten Photographie, bei der sie selbst – als ihr bestes Modell – in unterschiedlichen Rollen auftritt. Durch ihre bewusst mit der Werbeästhetik spielende Körperinszenierung seziert die Künstlerin weibliche Befindlichkeiten ebenso, wie sie männlich dominierte Frauenbilder untergräbt. Auf diese Weise ermöglichen Gehrungs (selbst)ironische Ich-Erkundungen kritische Annäherungen an eine sehr widersprüchliche Zeit.“
(Dr. Harald Tesan, Kunsthistoriker)

Ich setze Modell und Objekte in freier Natur oder in „lost places“ wie leerstehenden Häusern oder Fabriken, mit zum Teil Autoladungen voller Möbelstücke und Accessoires in Szene, um die von mir gewünschte Wirkung zu erreichen Als „Modell“ benutze ich mich selbst, ohne Bauchnabelschau zu betreiben. Mein Körper steht stellvertretend für den Menschen an sich, in dem sich der Betrachter spiegeln kann. Durch Körperhaltung, Kleidung, Kopfbedeckung und wahlweise Masken will ich zudem seelische Vorgänge sichtbar machen. Meine Accessoires und Requisiten stammen fast ausschließlich aus Vorgefundenem, Weggeworfenem, Geschenktem und aus Gebrauchtwarenhöfen. Allein durch die Wahl der Perspektive, Tages-und Jahreszeit, kann sogar die nächste Baugrube zur unbekannten Welt werden.

Kein Mann in Sicht
In 6 Minuten verliebt sich ein Single heutzutage über eine Online-Plattform. Partner der Elite versprechen Niveau. Die absolute Verfügbarkeit aus unerschöpflichen Auswahl an möglichen Partnern wird durch „kein Mann in Sicht“ konterkariert und durch die Unidirektionalität karikiert. Die Frau ist die Wartende – die dem Rollenbild einer märchenhaften Prinzessin ähnelt – und Jägerin zugleich.
Im Unterschied zur Märchenfigur wirkt sie selbstbestimmt und ist sich ihrer Rolle sicher. Sie bestimmt den Zeitpunkt des Treffens mit dem potentiellen Mann und hat entsprechend bereits alles vorbereitet – vom Kaffee mit zum Abendkleid.
„Kein Mann in Sicht“ greift eine der popkulturellen Trends auf („Wo bleibt der blöde Prinz auf seinem scheiß Gaul“) und bestärkt die damit verbundene Erwartungshaltung einer Generation, zeigt sich aber in der Darstellung nicht in dem schöngefilterten inszenierte Selfie mit Blick in die Kamera sondern gewährt vielmehr einen Blick in die tatsächlich wartende Situation.

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