Project Description

Rundgang durch die schöne Altstadt

Der Parkplatz an der Friedhofkapelle bietet sich als Ausgangspunkt unseres Stadtrundgangs an. Von hier gehen Sie zur angrenzenden Friedhofkapelle.
Sie wurde 1696 erbaut und dem heiligen Michael geweiht. Sie hat das Glück im Schutze einer der schönsten Akazien zu stehen.

Der Baum wird auf 170 Jahre geschätzt. Schon zweimal sollte er dem Fortschritt geopfert werden, aber die Waldseer kämpften um ihre Akazie, dass sie heute fester steht denn je. Die Kapelle wirkt durch den dreiseitigen Chor sehr anmutig. Sie ist auch innen sehenswert (tagsüber geöffnet).

Die Plastiken zeugen vom Können des Waldseer Bildhauers Johann Georg Reusch (1730). Der Friedhof wurde 1628 angelegt, als in Waldsee die Pest wütete. Der alte Friedhof, der um die Stiftskirche herum lag, reichte damals nicht mehr aus. Der Chronist berichtet, dass neben der Kirche so viele Schädel und Knochen zum Vorschein kamen, dass 120 zweispännige Wagenfuhren notwendig waren, um die Überführung zum neuen Friedhof zu schaffen.

Wenige Schritte nach Osten sind es bis zum Maximilianbad. Es ist eine von drei städtischen Kurkliniken, benannt nach Fürst Max zu Waldburg-Wolfegg-Waldsee, der hier 1923 ein Grundstück für ein Bürgerheim (Altenwohnheim) stiftete.

1949 begann der Moorbadebetrieb im Bürgerheim. 1956 erhielt die Stadt das Prädikat „Bad“, zugleich wurde dort ein Kurheim erbaut, das ab 1968 als Maximilianbad in ein Sanatorium umgewandelt wurde. 1974 wurde Bad Waldsee noch Kneippkurort.

Nördlich des Maxi-Bads erblicken Sie bereits das Wurzacher Tor. Nach 1400, als die Stadtummauerung erweitert wurde, entstand der Wurzacher Torturm. Der Ortskern von Waldsee war schon 1283 einfach ummauert. Die Erweiterung und der Bau der Tortürme fällt in die Zeit des Bürgermeisters Ulrich Kudrer. Da die Wurzacher Vorstadt mehrfach abbrannte, wurde der Torturm Gluthafentor genannt. Im Volksmund heißt er Hafendeckel.

1811 wurde mit dem Abbruch der Stadtmauer und 1832/33 mit dem der übrigen Tortürme begonnen. Heute würde man jeden Stein erhalten, aber damals war der Abbruch ein Akt der Befreiung.

Die Stadt hungerte nach Licht und Raum, zu lange war sie in die Enge der hohen Mauern gepresst. Waldsee war früher vorwiegend Ackerbürgerstadt mit Pferden, Kühen, Schweinen und den dazu gehörenden Misthaufen. Die Stadttore wurden von zuverlässigen, vereidigten Männern bewacht. Am Gluthafentor gab es zwei Torwarte.

Sie hatten nicht nur auszuspähen, um Feinde und Feuergefahr zu melden, sie kassierten auch den Zoll für Getreide- und Salzwagen und die Maut („Pflastergeld“).

1650 entstand die für Klöster „klassische“ Vierflügelanlage mit Kreuzgang und Innenhof. Sie gehörte zur Tiroler Ordensprovinz der Franziskaner.

Als Folge der Säkularisation von 1806 steht heute allerdings nur noch ein hufeisenförmiges Gebäude auf der Hochstatt. Die damals dort schon stehende 200-jährige Kapelle „Zur Himmelspforte“, heute Polizeiposten, wurde Klosterkirche. Die „Minderen Brüder“ waren arm, so dass sich die Stadt entschloss, ein Messgewand zu stiften.

Die Ratsherren machten zur Bedingung, dass das Stadtwappen in den Ornat eingestickt werde. So trugen die Patres bei ihrem frommen Dienst Schild, Fisch 7 und Kornschaufel auf dem Rücken. Die Waldseer wollten ihr Franziskanerkloster 1806 bei der württembergischen Säkularisation um jeden Preis erhalten. Aber die Bittschriften an den König blieben unbeantwortet. „Bei der Auflösung dieses Klosters ging es sehr flüchtig und destruktiv her.

Bücher und Kirchengeräte lagen wie Heu und Stroh umher; alles war nahezu förmlich Preis gegeben.“ Aus der Kirche wurde zunächst eine Fruchtschütte (Kornhaus), 1855 zog das Oberamt (Landratsamt) in das Kloster ein bis zur Auflösung des Kreises Waldsee 1938.

Der Federle ist eine der Originalmasken bei der Waldseer Fasnet. Am Fasnetsmontag bebt die Stadt, wenn Hunderte von Maskenträgern im Narrensprung durch die Straßen ziehen. Der Höhepunkt des Jahres ist erreicht. Tausende Zuschauer säumen die Straßen.

Fünf schwäbisch-alemannische Maskentypen bestimmen das Bild: Federle, Schrättele, Schorrenweible, Faselhannes und Narro. Jede dieser Gestalten hat ihre Geschichte. Der Federle ist der Verführer, der in den Waldseer Hexenprozessen eine schreckliche Rolle spielt. Die als Hexen verurteilten Frauen wurden alle angeklagt mit dem Bösen im Bunde zu sein. Er trat meist in Gestalt eines feschen jungen Mannes auf, der als Hans Federle in die Stadtgeschichte einging.

Das Heilig-Geist-Spital gehört zu den ältesten Einrichtungen der Stadt. Schon um 1300 wird die Spitalkirche erwähnt. Das Haus hatte universale Aufgaben zu erfüllen: Es war nicht nur Krankenhaus, sondern auch Altersheim, Waisenhaus und Treffpunkt der Bettler wie der Chronist berichtet; es befanden sich im alten Spital, 8 das 1659 umgebaut wurde, sogar einige Gefängnisse, die man früher Blockhäuser oder Keuchen nannte.

Die Bedeutung des Spitals drückte sich auch in der Besoldung des Spitalmeisters aus. Er bekam 24 Pfund Heller, während der Bürgermeister nur 20 Pfund erhielt. Durch Stiftungen und Käufe gehörten dem Spital viele Höfe und Wälder. Die Lebensmittel wurden aus eigener Landwirtschaft gewonnen. Verarmte Waldseer dienten in der Spitalsmeierei als Knechte und Mägde. Das Spital war autark, es hatte eine eigene Mühle, einen eigenen Bäcker, Metzger und Schmied. Wenn gemeinnützige Gebäude entstanden, gab das Spital den helfenden Bürgern als Entlohnung „Essen und Trunk“.

Das Spital musste auch einspringen, wenn in Notzeiten der Stadtverwaltung das Geld ausging. Die Armen konnten immer damit rechnen, dass sie im Spital mit einem Löffel voll Hafermus gespeist wurden. In vielerlei Hinsicht wirkte das Spital stabilisierend, nur einmal gingen ihm selbst die Kräfte aus. Das war in der Notzeit des Dreißigjährigen Krieges, als durch die Pest die Höfe verwaisten. Damals konnte das Spital noch nicht einmal das Saatgut für die Sommerfrucht beschaffen. Da verkaufte die Stadt das zum Rathaus gehörende Silbergeschirr um dem Spital helfen zu können. Zur gleichen Zeit wurde der Spitalbäcker verurteilt, weil er Brotlaibe veruntreut hatte.

Die neugotische Schaufassade samt Glockentürmchen bekam das Spital erst 1856 durch Bauinspektor Pfeilsticker. 1885 wurde dann die Fassade von H. Kolb bemalt, die 1978 restauriert wurde. Beter können sich in der Spitalkapelle noch immer an zwei Nothelfer aus dem 15. Jahrhundert wenden: die heilige Barbara und die heilige Katharina aus der Werkstatt des Niklas Weckmann aus Ulm.

Eine Säule des Bürgermeisterzimmers überliefert in Stein gehauen die Nachricht: „anno domini 1426 do war daz hus angefangen und was burgermaister ulrich kudrer und baumaister.“

Um die 500 Einwohner zählte damals die Stadt, schwer gedemütigte Menschen, die „ehrlos, treulos, meineidig, rechtlos und überführt heißen und sein sollten“, falls sie gegen das harte Diktat der waldburgischen Pfandherrschaft aufmuckten. Das Rathaus war die Reaktion auf diese Unterdrückung. Es musste so groß sein, dass es neben Schloss und Stift bestehen konnte. Und da Ulrich Kudrer nicht nur ein guter Bürgermeister sondern auch ein genialer Planer war, gelang es ihm, die Bürgernot in Baukunst umzusetzen.

Nicht alles, was in diesem Rathaus geschah, entsprach seiner gotischen Würde. Allein im Jahr 1586, zur Zeit des Hexenwahns, wurden hier 17 Waldseer Frauen vom Stadtgericht zum Tode verurteilt und als Hexen verbrannt. Auf dem Erker des Rathauses wurde der Stab über die Verurteilten gebrochen, auf dem rückwärtigen Giebel begann das Armsünderglöcklein zu läuten, der Weg zum Scheiterhaufen war weit.

Im selben 16. Jahrhundert beklagten sich die Waldseer über ihre Ratsherren, weil „sie in ihrem verstockten und stinkenden Fürnehmen verharren“. Das Wahlrecht ermöglichte es, dass sich immer dieselben Familien die Macht teilten. Im Rathaus traf man sich zu Trinkgelagen und Kartenspielen, bis 1610 unter Erzherzog Maximilian von Österreich ein neues Wahlrecht geschaffen wurde. Kein Wunder, dass der heilige Michael, der den Giebel krönte, allmählich zerbröckelte.

Im 19. Jahrhundert wurde er durch eine neue Gestalt, die „Justitia“, ersetzt. Allen zur Mahnung hält sie die Waage der Gerechtigkeit über die Stadt. Darunter beschützt ein Engel die Wappen Österreichs und Waldsees.

Dem Rathaus gegenüber liegt breit und ruhig das Haus, in dem Waldsee jahrhundertelang sein Getreide aufbewahrte. Getreide war das Hauptnahrungsmittel. War das Kornhaus voll, brauchte die Stadt keinen Hunger zu leiden. Auch der gefürchtete Getreidewucher konnte nicht um sich greifen, wenn die Vorräte groß genug waren.

Waldsee hatte durch sein fruchtbares Hinterland soviel Getreide, dass es in die Schweiz ausführte. Getreide hatte in Waldsee eine universale Bedeutung. Es diente der Stadt auch als Zahlungsmittel. So wurde mit Johann Spiegler, der 1639 als einziger Lehrer die Schule der Stadt übernahm, ein Getreidelohn ausgehandelt. Ihm wurde „vierteljährlich ein Malter Roggen bewilligt“.

Schon 1348 wird ein Kornhaus erwähnt, aber das heutige Aussehen mit dem gotischen Staffelgiebel stammt aus dem Jahr 1492, was dendrochronologische Untersuchungen bewiesen haben. Bis nach dem Ersten Weltkrieg diente das Haus als Fruchtschütte.

Seit 1972 ist es zu neuem Leben erwacht. Die Stadt hat hier 10 zusammen mit dem Museumsund Heimatverein die Reichtümer ihrer Vergangenheit zu einem Museum vereinigt.

Das Haus wurde 1748 als Prälatur erbaut. Hier wohnte der jeweilige Vorsteher des Klosters, der Abt. Auch ein Teil der Klosterverwaltung war in diesem Haus untergebracht. Unter dem Giebeldreieck ist noch das Relief des Klosterpatrons St. Peter, das Sifts- und Abtswappen zu erkennen. Die neubarocke Fassade gestaltete Josef Nicklas aus Reute, ein verkannter Künstler des letzten Jahrhunderts.

Die Reformation fand in Waldsee nicht statt. Sie wurde zwar am Weißen Sonntag 1530 blutig geprobt. Aber Stift und Herrschaft waren mächtig genug, den Aufstand der Wiedertäufer niederzuschlagen.

Erst im 19. Jahrhundert begann die kleine, kaum 200 Seelen umfassende evangelische Gemeinde zu wachsen, die 1887 den Grundstein zur heutigen Kirche legte. Wie damals üblich wurde eine neugotische Form gewählt.

Die Ortsbezeichnung „Burghalde“ hat uns eine geschichtliche Tatsache aufbewahrt: Hier stand im Mittelalter die Burg der Herren von Wallsee, treuer Herren der Welfen, Staufer und Habsburger. Ja, die Wallseer wurden sogar als die Säulen Österreichs bezeichnet.

Die Doppeltürme der Stiftskirche sind das Wahrzeichen von Bad Waldsee. Sie ragen erst seit 1766 in den Himmel. 1765 hatte man begonnen die alte gotische Kirche zu vergrößern. Dabei erhielt sie ihr jetziges barockes Aussehen. Dominikus Zimmermann, der Erbauer der Wieskirche, hatte zuvor schon bei der Umgestaltung des Kircheninnern mitgewirkt. Er baute den Hochaltar, das Chorgestühl und den Sakristeischrank. Auch der Mariahilf- Altar soll aus seiner Werkstatt kommen.

Das Abend mahlfresko in der Sakristei trägt das Signum seines Bruders Johann Baptist Zimmermann. Die Marienkrönung im Hochaltar stammt von dem Waldseer Bildhauer Jakob Bendel (1616). Waldsee hat außer den Zürn und Bendel noch einen Bildhauer hervorgebracht: Johann Georg Reusch. Er schuf die Plastiken am Hochaltar und die Kreuzigungsgruppe in der Beichtkapelle.

Am Ende des linken Seitenschiffes ist ein Kunstwerk besonderer Art in die Wand eingelassen: Das Epitaph Georgs I. von Waldburg (gest. 1467), im Volksmund „der eiserne Mann“ genannt. So bedeutend und herausragend dieses Grabmal für die Kunst des späten Mittelalter ist, so rätselhaft ist es:

  • Wer war der geniale Künstler, der seinesgleichen sucht? – Warum ist das Epitaph unvollendet (Hintergrund bruchstückhaft, Umschrift nicht angepasst)?
  • Warum befindet sich in der Schlosskapelle zu Wurzach ein weiteres Grabmal desselben Ritters?
  • Warum hat er seine Hände nicht zum Gebet gefaltet sondern geöffnet? Könnte es sein, dass sein Leib in Wurzach, sein Herz aber in Waldsee bestattet worden war, dass er ein Herz in den Händen gehalten hat? Könnte es sein, dass er ein Modell der Kirche gehalten hat, denn er hat für den Bau von St. Peter (1479) eine Stiftung geplant? Beide Möglichkeiten entsprechen den damaligen Gewohnheiten. Oder könnte es nicht eine ganz individuelle Geste sein, die den Geist der damaligen Umbruchzeit vom Mittelalter zur Neuzeit sichtbar macht?

Dieser Betraum war bis zur Aufhebung des Augustinerstifts 1788 Winterchor und Oratorium der Chorherrn. Er besticht durch eine ausgezeichnete spätbarocke Stuckdecke. Seit 1992 ist er Aufbewahrungsort des reichhaltigen Kirchen schatzes mit Kloster- und Augsburger Goldschmiedearbeiten aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Dem Oratorium gegenüber befindet sich die ehemalige Landschule. Während der Klosterzeit (ca. 1150 bis 1788) war sie Wohn- und Bibliotheks trakt des Augustinerchorherrenstifts St. Peter zu Waldsee, nach Aufhebung des Stifts österreichische, 1807 württembergische Kaserne. 1820 bis 1934 beherbergte sie die Schule für die auf dem Land lebenden Kinder (Landschule), ab 1889 zugleich die evangelische Volksschule.

Seit 1936 wurde der Trakt von allen Waldseer Schulen genützt. Von 1989 bis 1992 erfolgte eine grundlegende Sanierung. Heute sind hier das Stadtarchiv, die Volkshochschule und einige Waldseer Vereine untergebracht.

Auf dem winkligen Gut-Betha-Platz zwischen Stiftskirche und Franziskanerinnenkloster wurde zu Ehren der Waldseerin Elisabeth Achler – überall als „die selige Gute Beth“ bekannt – ein Brunnen errichtet. Elisabeth Achler wurde 1386 als Tochter eines Waldseer Flachswebers geboren.

Konrad Kügelin, der damalige Propst des Chorherrenstifts, erkannte in dem heranwachsenden Mädchen schon früh eine besondere „Lauterkeit, Reinheit und Herzenseinfalt“. Da die Knechte und Mägde im Achlerhaus „nach der Welt Gewohnheit freventlich mit Worten umgingen, Singen und Schimpfen und solchen Dingen“, kam Elisabeth schon mit 14 Jahren in die Obhut einer frommen Frau, bei der sie wirken und weben lernte.

Mit 17 zog sie in das Franziskanerinnenkloster Reute ein, das Propst Konrad Kügelin eigens für sie und weitere Nonnen 1403 erbauen ließ. Elisabeth führte das fromme Leben einer Mystikerin. Sie starb mit 34 Jahren. Konrad Kügelin war bis zuletzt ihr Beichtvater. Nach ihrem Tod wurde er ihr Biograph. Schon bald nach dem Tod der stigmatisierten Nonne pilgerten unzählige Wallfahrer nach Reute, um in der guten Beth die „Wundertäterin Oberschwabens“ zu verehren.

1766 wurde Elisabeth Achler seliggesprochen. Noch immer ist die Wallfahrtskirche im nahen Reute das Ziel vieler Pilger. Dort wird im Sockel des Gut-Betha-Altars der gläserne Sarg mit den sterblichen Überresten der Klosterfrau aufbewahrt.

Bis 1782 war es ein Franziskanerinnenkloster, das bereits ab der Mitte des 15. Jahrhunderts belegt ist. Im 16. Jahrhundert wurde die Klause St. Klara neu erbaut, 1680 die Hauskapelle Santa Maria di Loreto eingeweiht. In diesem Terziarinnenkloster (Kloster des 3. 16 Ordens des hl. Franziskus) fanden viele nachgeborene Töchter aus der ländlichen Umgebung eine Lebensgrundlage. Ernährt haben sich die armen Nönnchen durch den Verkauf von selbst hergestellten Kerzen und Devotionalien.

Das heutige barocke Aussehen des Schlosses stammt aus dem Jahr 1745. Ein Bild, das uns von 1550 überliefert ist, zeigt ein stark befestigtes Wasserschloss. In der Waldseer Chronik ist zu lesen, dass der österreichische Herzog Leopold 1386 die Stadt Waldsee „und die Burg dabei in dem Ried“ dem Truchsessen Hans von Waldburg zum Leibgeding gab.

300 Jahre lang wurde Waldsee von hier aus als Pfandschaft verwaltet. 300 Jahre kämpften die Waldseer darum, aus diesem Regiment entlassen zu werden: Sie drangen mit Fackeln in den Schlosshof ein, auch von Pfeil und Bogen wird berichtet. Aber nach jedem Aufstand wurden die Zügel, die Stadt und Schloss verbanden, noch fester angespannt.

In diesem Schloss wurde 1488 Georg III. von Waldburg, genannt der Bauernjörg, geboren. Von hier aus ist er zu seinen erfolgreichen Kriegszügen aufgebrochen. Und als sich Tausende von süddeutschen Bauern verbündeten um „von Diensten, Gült und Leibeigenschaft, womit sie beschwert seien, sich frei zu machen und das Evangelium wieder aufzurichten“, gelang es dem Bauernjörg, diesen Aufstand niederzuschlagen.

Das Schloss lag außerhalb der Stadtmauer. Noch heute gehört das Schloss den Fürsten von Waldburg-Wolfegg-Waldsee. Der dazu gehörende Schlosssee hat etwas von einem wilden Zauber an sich. Er ist fast sechs Hektar groß und bis sechs Meter tief. Im Winter entfaltet er als Eislaufsee eine märchenhafte Schönheit. Vom Park aus gelangt man nach Überquerung der Steinacher Straße auf einen Pfad mit Kreuzwegstationen. Dieser Stationenweg führt direkt zur Frauenbergkapelle.

Dieser Mauerturm der inneren Stadtmauer von 1403 wurde erstmals 1528 als „Turm am Vötschenhaus“ erwähnt. Die Familie Vötsch stellte im 15. und 16. Jh. Stadtammänner und Bürgermeister.

Eines der öffentlichen städtischen Bäder mit besonderer Heilkraft, das Mayenbad (Mai als Monat der Gesundung), wurde erstmals 1561 erwähnt, dann 1712 als wissenschaftlich begründetes Heilbad bezeichnet. Ab dem 19. Jh. ist kein „Kurbetrieb“ mehr nachzuweisen, das Bad dient ausschließlich als städtisches Reinigungsbad, das seine Pforten Mitte des 20. Jh. schließt. Das Gebäude stammt aus dem 18. Jh.

Mauertörlein 1486 „begehrte (der Schlossherr) ungehinderten Einlass“ in die Stadt. Das als sogenannter „Hurengang“ bezeichnete Törlein befindet sich unmittelbar neben dem Mayenbad. Was der Truchsess wohl damit meinte, was er wohl im Schilde führte?

In dreifacher Hinsicht ist die Frauenbergkapelle ein aufregender Ort: Die Kunstfreunde wissen, dass hier am Hauptaltar die Forschung über die Waldseer Zürn-Werkstätte begann.

Die Geschichtsfreunde wissen, dass diese Kirche ein Denkmal der Unabhängigkeit ist, das sich mutige Bürger selbst erbauten. Die Beter wissen, dass seit alters her Gebete nirgends besser erhört werden als in der Kapelle „zum nahen 18 Hüsli“, wie sie ursprünglich genannt wurde. „1471 da war angefangen die Kapell.“

Diese Nachricht überliefert uns ein altes Gemälde. Der Bau der Frauenbergkapelle war für die Waldseer ein Versuch, sich aus der Bevormundung durch das Kloster zu lösen. Sie wollten endlich eine eigene Kirche haben mit einem eigenen Pfarrer und einem eigenen Gemeindeleben. In der Stiftskirche residierten die gelehrten Augustinerchorherren.

Das Verhältnis der Stadt zum reichen Kloster war gespannt. Wenigstens als Kirchengemeinde wollten die Waldseer eigenständig werden, das Joch der weltlichen Herrschaft war schwer genug zu ertragen. Aber noch ehe die Kirche fertig war, erhob das Kloster Anspruch darauf. Da sich die Bürger wehrten, verlangte das Kloster, dass der Truchsess Georg von Waldburg den Bau einstelle. Nun war aber die Kapelle, obwohl noch nicht fertig, schon zum bevorzugten Gebetsort der Waldseer geworden. Sie bauten ihr Kirchlein fertig. Ein Taufbecken zu bauen wurde ihnen nicht erlaubt. Sakramente durften nur mit Zustimmung des Propstes erteilt werden und nur von einem Priester, der dem Propst untertan war. Das Kirchenopfer fiel dem Kloster zu.

Die mit so viel Opfern und Hoffnungen erbaute Kapelle wurde zur Filiale der Stiftskirche ernannt. Trotz dieser Demütigungen wurde die Frauenbergkapelle für die Waldseer „wahrhaft lebensnotwendig“. Sie ließen nicht zu, dass „ihre Kirche“ 1790 geschlossen wurde. Empörung und Proteste waren so stark, dass die Kapelle erhalten blieb. Es fügt sich gut, dass diese geschichtsträchtige Kapelle die kostbarsten Heiligenfiguren der Stadt birgt. Niemand konnte 1621, als die Kapelle erweitert und die Altäre geschaffen wurden, ahnen, zu welchem Ruhm die Waldseer Bildhauerfamilie Zürn einst gelangen würde.

Hans Zürn hatte sechs Bildhauersöhne, mit denen zusammen er den süddeutschen Raum wesentlich prägte. Am Hochaltar der Frauenbergkirche hat er mit den Söhnen Martin und Michael zusammen gearbeitet. Von Kunstkennern wird die Figur des heiligen Sebastian besonders gerühmt. Das mit der Kirche verbundene Haus war ursprünglich die Kaplanei, jetzt dient es als Mesnerhaus.

Weitere Zürnwerke bergen die Pfarrkirche in Bad Waldsee- Michelwinnaden und das Museum im Kornhaus. Gegenüber steht das „neue“ Kaplaneihaus von 1617 (Neubau 1979). Auf dem Döchtbühl hat Bad Waldsee seine Bildungseinrichtungen errichtet. Als Schulstadt hat es einen weiten Einzugsbereich.

Ansprechpartner:

Michael Tassilo Wild
Stadtarchivar
07524 49851
Klosterhof 3
m.wild@stadtarchiv-bad-waldsee.de

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