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Verbesserung des Radverkehrs in der Stadt durch Schutzsteifen für Radfahrer

Zur nachhaltigen Verbesserung des Radverkehrs im Stadtgebiet von Bad Waldsee hat die Stadt die letzten Jahre auf verschiedenen Straßen so genannte Schutzstreifen für Radfahrer markiert – gemeint ist der Bereich auf der Straße, der durch eine gestrichelte und mit Fahrrad-Piktogrammen gekennzeichnete Markierung für den Radverkehr abgegrenzt wurde. Nicht nur für Fahrradfahrer ein Sicherheitsgewinn.

Im Zuge der Umsetzung des städtischen Radverkehrskonzeptes wurden auf der Friedhofstraße, Wolfegger Straße, Richard-Wagner-Straße aber auch an anderen Stellen so genannte Schutzstreifen für Radfahrer markiert. Weitere Schutzstreifen sollen im Stadtgebiet folgen.

Zu den Markierungen auf der Straße gibt es von Autofahrern und Radfahrern viele Fragen.

Nachfolgend werden die am häufigsten gestellten Fragen beantwortet:

SCHUTZSTREIFEN ALLGEMEIN

Wie sieht ein Schutzstreifen aus?
Der Schutzstreifen für Radfahrer, umgangssprachlich auch als Fahrradschutzstreifen, Radschutzstreifen, Angebotsstreifen oder Velostreifen bekannt, ist ein Bereich der Fahrbahn, der durch eine gestrichelte Leitlinie und Fahrradpiktogramme für den Radverkehr abgegrenzt wird.

Wie breit sind Schutzstreifen?
Schutzstreifen müssen mindestens 1,25 Meter breit sein. Die Regelbreite beträgt 1,50 Meter.

Welchen Vorteil bieten Schutzstreifen?
Ein Schutzstreifen verbessert die Sichtbarkeit und somit die Sicherheit des Radverkehrs auf Fahrbahnen, da er ihm einen eigenen Raum auf der Fahrbahn und somit im Sichtfeld des Kfz-Verkehrs zuweist. Autofahrer sind auf Straßen mit Schutzstreifen langsamer unterwegs, das zeigt unter anderem ein Gutachten der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Baden-Württemberg e.V. (AGFK-BW). Radfahrer können andererseits auf den Schutzstreifen zügiger als auf Geh- und Radwegen fahren, ohne Fußgänger zu gefährden.

Werden Schutzstreifen nur angelegt, um Geld zu sparen?
Nein. Deren Einrichtung ist zwar günstiger als der Bau von Radwegen. Doch Experten bewerten die Verkehrssicherheit von Schutzstreifen höher als die von Radwegen, die gemeinsam mit dem Fußverkehr geführt werden. Die Schutzstreifen ermöglichen Kommunen, Lücken im Radverkehrsnetz zu schließen, den Radverkehr sicherer zu führen und durchgängig auf unseren Straßen zu etablieren. Damit wird das Radfahren nachhaltig gefördert.

KINDER

Müssen Kinder jetzt auch auf der Straße fahren?

Laut Straßenverkehrsordnung müssen Kinder bis zum 8. Lebensjahr auf dem Gehweg radeln. Sie erlaubt älteren Kindern bis zum 10. Lebensjahr, wahlweise das Radfahren auf Gehwegen, Radwegen, Fahrbahnen oder gegebenenfalls Schutzstreifen. Kinder ab dem 11. Lebensjahr müssen den Schutzstreifen oder eine andere Führung des Radverkehrs benutzen – wie Erwachsene.

 Kinder ab dem elften Lebensjahr auf der Straße – ist das nicht viel zu gefährlich?

Nein, denn Schutzstreifen machen jenen Teil der Fahrbahn sichtbar, der für Radfahrerinnen und Radfahrer vorgesehen ist. Radeln auf der Fahrbahn im fließenden Verkehr ist sicherer als auf den schmalen Rad- oder Gehwegen mit einer Vielzahl von Hindernissen und Gefahrenquellen. Untersuchungen zeigen, dass sich 90 % der Unfälle im Radverkehr im Seitenbereich ereignen, also auf Rad- oder Gehwegen.

AUTOFAHRER

Dürfen Autofahrer auf Schutzstreifen fahren?
Grundsätzlich nicht, denn der Schutzstreifen ist für den Radverkehr reserviert. Nur ausnahmsweise dürfen Kraftfahrzeuge dort bei echtem Bedarf fahren, z.B. bei entsprechendem Gegenverkehr. Auch größere Fahrzeuge dürfen den Schutzstreifen nur im Bedarfsfall mitbenutzen.

Dürfen Autofahrer auf Schutzstreifen parken?
Nein. Das Parken ist auf Schutzstreifen verboten und behindert den Verkehrsfluss der Radfahrer. Halten bis zu 3 Minuten ist dagegen erlaubt. Bitte beachten: Wer sein Auto verlässt, der parkt.
Er gefährdet dadurch radelnde Verkehrsteilnehmer und riskiert so ein Bußgeld. 

SICHERHEIT

Mit dem Rad auf der Fahrbahn zu fahren ist doch viel gefährlicher als auf dem Geh- oder Radweg?
Nein, Radfahren auf der Fahrbahn ist sicherer und laut Straßenverkehrsordnung der Regelfall. Untersuchungen zeigen, dass an Kreuzungen mit separaten Radwegen sowie Geh- und Radwegen dreimal mehr Radfahrer verunglücken als an solchen mit Radfahrern auf der Fahrbahn. Das liegt daran, dass Radfahrer auf der Fahrbahn besser gesehen und wahrgenommen werden. Außerdem gibt es auf der Fahrbahn weniger Konflikte mit einfahrenden Autos, Fußgängern oder anderen Hindernissen wie z.B. Mülltonnen, Plakatträgern, Verkehrszeichen oder Laternenmasten.

Auch im Nationalen Radverkehrsplan des Bundesverkehrsministeriums (http://www.nationaler-radverkehrsplan.de/transferstelle/downloads/for-a-06.pdf) wird auf der dritten Seite darauf hingewiesen, dass Straßen mit Schutzstreifen entgegen vielfacher Vermutung eine geringere Unfallrate aufweisen. Als Ursache vermutet man die bessere Sichtbarkeit des Radverkehrs für Autofahrerinnen und –fahrer. Der Grundsatz lautet deshalb: Radfahrer gehören auf die Fahrbahn und nicht in den Seitenraum

VERKEHR ALLGEMEIN

Jetzt weiß ja keiner mehr, was er darf und was nicht. Welche Regeln gelten denn auf Straßenabschnitten mit Schutzstreifen?
Autofahrer: 

Grundsätzlich dürfen Autofahrer den Schutzstreifen nicht überfahren. Nur in Ausnahmefällen, wenn z.B. zwei breite Fahrzeuge aneinander vorbei müssen, ist ein vorrübergehendes Überfahren erlaubt – solange der Radverkehr dabei nicht behindert wird. Autos müssen hinter dem voraus Radelnden bleiben, bis ein gefahrloses Überholen möglich ist.

  • Autos dürfen nicht auf Schutzstreifen parken – Halten bis zu einer Dauer von drei Minuten ist jedoch erlaubt.

Radfahrer:

  • Wenn sich vor einer roten Ampel eine Autoschlange bildet, können und dürfen Radfahrer auf dem Schutzstreifen bis zur Ampel daran vorbeifahren.
  • Radfahrer müssen den Schutzstreifen nutzen – nur bei Bedarf dürfen sie den Schutzstreifen verlassen und auch nur, wenn sie den Kfz-Verkehr nicht behindern.
  • Es gilt das Rechtsfahrgebot – Radler müssen, wie alle anderen auch, immer auf der rechten Straßenseite fahren. „Fahrrad-Geisterfahrer“, die auf der falschen Straßenseite fahren und damit Schutzstreifen in falscher Fahrtrichtung benutzen, gefährden nicht nur sich sondern auch andere.

Jürgen Bucher
Bauamt – Tiefbauabteilung

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