Manfred Erne, Geschäftsführer der Stadtwerke, während seines Referats im Haus am Stadtsee.
Text/Foto: Brigitte Göppel

Nahwärme in Bad Waldsee – Experten informierten zum aktuellen Stand

Nachdem kürzlich der erste Spatenstich für die Tiefbauarbeiten zum Ausbau des Nachwärmenetzes gefeiert wurde, beginnen im September die Arbeiten in der Innenstadt. Wie, wo und wann diese stattfinden, was ein Anschluss an das Nahwärmenetz kostet, welche weiteren Maßnahmen  kombiniert werden, darüber haben Experten am vergangenen Donnerstag im Haus am Stadtsee informiert. Eingeladen hatten die Stadtwerke Bad Waldsee. Mehrere Experten referierten nicht nur umfangreich und verständlich, sondern standen auch für Fragen zur Verfügung.

Die Begrüßung der rund 50 Gäste übernahm die Erste Beigeordnete, Monika Ludy. Das Nahwärmeprojekt sei eine Verflechtung mit den anderen großen und wichtigen Projekten, sagte sie, und nannte dabei unter anderem „Altstadt für Alle“, die Breitbandversorgung sowie in Teilen die Sanierung von Trinkwasseranschlüssen.

Den Impulsvortrag hielt der Geschäftsführer der unabhängigen Energieagentur Ravensburg, Walter Göppel. Er informierte über die aktuellen Gesetze, darunter das Klimaschutzgesetz und das Erneuerbare-Wärme-Gesetz. Dieses fordere bei einer Heizungssanierung einen Anteil von mindestens 15 Prozent an erneuerbaren Energien. Wer in Bad Waldsee an die Nahwärme anschließe, habe alle zukünftigen gesetzlichen Anforderungen bei energetischen Gebäudesanierungen und Neubauten erfüllt, sagte Göppel. Ab dem Jahr 2021 werde es eine CO2-Bepreisung für fossile Energiearten geben. Pro ausgestoßener Tonne werde eine Abgabe von 25 € fällig, die sukzessive auf 55 € bis 65 € verteuert werde. Wer zum Beispiel in einem größeren Altbau mit einem jährlichen Verbrauch von rund 40.000 Kilowattstunden (4000 Liter Heizöl) lebe, der stoße damit rund zwölf Tonnen CO2 aus, was eine Abgabe von rund 720 € nach sich ziehe. Ab dem Jahr 2026 sei zudem kein Einbau von Ölheizungen mehr möglich. „Sie haben hier in der Altstadt einen Sanierungsbedarf. Wer im Quartier besonders energieeffizient saniert, bekommt momentan bis zu 48.000 € Zuschuss pro Wohneinheit“, sagte der Experte. In Kooperation mit der Verbraucherzentrale biete die Energieagentur eine unabhängige Energieberatung für Bürger mit einem Gebäudecheck vor Ort an, die Schutzgebühr dafür betrage 30 € (im Nahwärmequartier kostenlos).

Über den Projektstatus und die weitere Vorgehensweise informierte der Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Waldsee, Manfred Erne. Die Schaffung der Infrastruktur für das Vorhaben sei eine Gemeinschaftsleistung. Mit beteiligt seien neben den Stadtwerken auch der Wasserversorgungsverband Obere Schussentalgruppe und die Stadtverwaltung. Man bündele die Arbeiten des Nahwärmeprojekts mit jenen für die Breitbandversorgung (Glasfaseranschlüsse), für die Trinkwasserleitungen und für das Projekt „Altstadt für alle“ und arbeite eng zusammen. Um möglichst kurze Baustellenzeiten für die Anlieger zu haben, grenze man die Arbeiten auch räumlich ein und unterteile sie in Abschnitte. Dort wo das Mobilitätsband verlegt werde, werde zunächst ein provisorischer Belag eingebracht. Die betroffenen Anlieger werde man frühzeitig über die Bauabschnitte informieren. Die ersten Kunden könnten ab Mitte 2021 mit Nahwärme versorgt werden.

Anschließend erklärte Manfred Erne die Ziele der umweltfreundlichen Nahwärmeversorgung für Bad Waldsee. Durch das Projekt soll der CO2-Ausstoß im Stadtgebiet erheblich reduziert werden. Die Wärme werde im Heizkraftwerk in der Schützenstraße durch ein hocheffizientes Blockheizkraftwerk mit Wärmerückgewinnung, das mit Erdgas betrieben wird, gewonnen. Mit Hilfe von heißem Wasser werde sie über ein wärmegedämmtes, geschlossenes Rohrleitungssystem zu den Abnehmern transportiert. Als Energiequellen könnten in der Zukunft auch Solarthermie, Holzhackschnitzel, Thermalwasser oder ähnliches in Frage kommen, so Erne. Auf Betrieb mit Erdgas setze man momentan aus wirtschaftlichen Gründen.

Für Frühbucher koste ein Anschluss abzüglich des Frühbucherrabatts (2499 €) noch 5831 €, inklusive zehn Meter Leitung zum Haus. Mehrlängen würden pro Meter mit 357 € außen und 200 € innen berechnet, erklärte Erne weiter. Der Grundpreis betrage jährlich 36,62 € pro Kilowattstunde Wärmeleistung. Dies sei ein „Rundum-Sorglos-Paket“ inklusive Wartung.  Der Arbeitspreis (Verbrauchspreis) betrage 8,47 € pro Kilowattstunde.

Berthold Frech vom Wasserversorgungsverband Obere Schussentalgruppe informierte, dass im Zuge der Arbeiten für das Nahwärmenetz auch Wasserleitungen sowie Trinkwasserhausanschlüsse in der Hauptstraße erneuert werden sollen. Die Kosten für den Trinkwasserhausanschluss seien ab der Grundstücksgrenze vom Anschlussnehmer zu tragen. Bei einer gemeinsamen Einführung von Trinkwasser und Breitband würden sich die Kosten für die Wandeinführung halbieren, da die Stadt 50 Prozent für den Anteil Breitband übernehme.

Alexander Haudek vom städtischen Fachbereich Zentrale Dienste und IT informierte über den Aufbau der Breitbandinfrastruktur. „Wer an die Nahwärme anschließt, bekommt das Leerrohr für den Breitbandanschluss kostenlos“, sagte er.

Wolfgang Schuler von der IBS-Ingenieurgesellschaft ging auf die technische Umsetzung ein. Das Nahwärmenetz umfasse eine Trassenlänge von rund vier Kilometern. Der errechnete Jahreswärmebedarf liege bei rund 10.645 Megawattstunden, was einer Einsparung von 1800 Tonnen CO2 entspreche. Ab September werde in der Innenstadt mit zwei Kolonnen gearbeitet, damit die Arbeiten im Sommer 2021 abgeschlossen seien. Für das Frühjahr 2022 seien die Anschlussarbeiten Richtung Krankenhaus vorgesehen. Auch der Anschluss des Schulzentrums habe eine hohe Dringlichkeit. Weitere Informationen: www.stadtwerke-bad-waldsee.de

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